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by  Hans Engels

Nico-Net

Ihr Wegbereiter ins "soziale" Internet
Stand: 01.01.2009

 

Provokative Therapie

Alles oder Nichts

Fragt man einen Patienten, ob er rehabilitiert werden möchte, ist die Antwort ausnahmslos "Ja".
Versucht man, irgend etwas zu tun, um das zu bewerkstelligen, wird sein Verhalten ebenso ausnahmslos "Nein" signalisieren. Ein Grund für diesen Widerspruch zwischen Reden und Handeln ist, dass es minimaler Anstrengung bedarf, das sozial angepasste "Ja" zu sagen - und maximaler Anstrengung, etwas dafür zu tun.

Die Einstellung der Patienten zur Rehabilitation basiert offenbar auf vier grundlegenden Komponenten. Zum ersten wollen Sie aufrichtig alle guten Dinge wie Status, Macht, Liebe, materiellen Besitz haben, die mit der Entlassung in Aussicht stehen. Zweitens wollen sie eine unumstößliche Garantie, dass sie die guten Dinge auch bekommen. Wenn sie sich darauf vorbereiten sollen, die Klinik zu verlassen, wollen sie die felsenfeste Gewissheit haben, dass die Leute sie akzeptieren, ihnen nicht abschätzig begegnen, weil sie Psychiatrie-Patienten waren, ihnen ihr Verhalten nicht übelnehmen, sie nicht zurechtweisen und sie mit Würde und Respekt behandeln. Drittens erwarten sie, dass ihnen alles Gute geschenkt wird. Und viertens sind sie nicht gewillt, irgendeine dauerhafte Anstrengung oder Frustration auf sich zu nehmen, um die guten Dinge zu erlangen.

Fast jedes therapeutische Team, dass mit solchen Problemen arbeitet, wird in den meisten ihrer Verhaltensweisen das "Alles oder Nichts" - Prinzip wiedererkennen. Sie wollen den ganzen Kuchen - und zwar sofort; "Stück für Stück" stellt sie meist nicht zufrieden. Sobald sie irgend einen Schmerz oder stress aushalten müssen, um ein sozial angepasstes Ziel zu erreichen, geben sie in der Regel gleich alles auf oder sagen: " Zur Hölle damit!" ("sch... drauf!").
Diese Reaktionsweise spiegelt sich auch in ihrer launischen Arbeitsweise wider oder in ihrer Anwesenheit oder Beteiligung bei jedweden konstruktiven Reha-Programmen, wo sie bei der geringsten Frustration oder Zurückweisung bereitwillig alle Erfolge über Bord werfen - wohl wissend, dass sie sich das leisten können, weil auf den guten Willen und die Wohltätigkeit des Hospitals immer Verlass ist.

Die meisten Rehabilitationsprogramme für chronisch Schizophrene müssen ganz einfach scheitern, weil das Team sich nicht mit diesen Einstellungen und Verhaltensweisen auseinandergesetzt hat. Die Probleme der Patienten mag man mit wissenschaftlichen Bezeichnungen wie "niedrige Frustrationstoleranz, infantile Omnipotenzwünsche, geringe Antriebskontrolle" erklären. Aber diese Formeln sind nur euphemistische Umschreibungen für die Aussage, dass Patienten wollen, was sie wollen, so, wie sie es wollen, dann, wenn sie es wollen - und zwar mühelos.

 

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