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by  Hans Engels

Nico-Net

Ihr Wegbereiter ins "soziale" Internet
Stand: 01.01.2009

 

Provokative Therapie

Soziale Klingelknöpfe

Es ist ein bemerkenswertes Phänomen, dass "hilflose" und "verwirrte" Schizophrene oft sehr viel bessere Experten sind, wenn es darum geht, auf Seiten des Personals, der Familie und der Gesellschaft bestimmte Reaktionen hervorzurufen, als es die letzteren sind, wenn sie beim Patienten erwünschte Reaktionen erreichen wollen. Da die Patienten unser System sozialer werte und die damit verbundenen Schranken viel besser verstehen als wir das ihre, können sie ein Repertoire von Verhaltensweisen einsetzen, dass bei ihrem Gegenüber stets die erwünschte Antwort auslöst und sicherstellt, dass sie ihr Ziel immer erreichen. Dieses Patienten-Verhalten und die Reaktionen, die sie damit hervorrufen, haben für sie eine "Wenn-dann" - Qualität.

Wenn z.B. der Patient einen der folgenden Verhaltens-Stimuli anbietet, wird er mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine entsprechende, vorherbestimmbare Reaktion des Personals auslösen:

1. Aufsässigkeit bewirkt Irritation und Ärger;

2. offene sexuelle Handlungen bewirken Empörung;

3. aggressiv-kämpferisches Verhalten löst Furcht aus;

4. selbstschädigendes Verhalten erregt Mitleid;

5. störrischer Rückzug bewirkt Frustration;

6. verrückt-bizarres Verhalten bewirkt Verwirrung und
    Hilflosigkeit

Wenn Pflegepersonal, Familie oder Gesellschaft irritiert und ärgerlich, empört-verängstigt, mitleidig, frustriert oder verwirrt und hilflos sind, dann sind sie automatisch gezwungen, auf vielfältige Weise in Aktion zu treten, was am Ende stets zur Fortsetzung der Hospitalisation oder zur Re-Hospitalisierung führt.

Zusätzlich zu diesen Automatismen gibt es einen allgemeineren "Klingelknopf", den wir die "Tyrannei der Schwäche" genannt haben. Dieser scheint einen etwas abweichenden Prozess in Gang zu setzen und zu einem "Hände - weg" Effekt und damit zu therapeutischer Untätigkeit zu führen.
Wenn wir die Patienten in therapeutischer Absicht konfrontieren und "auf ihnen herumhacken", so geben sie sich selbst hilflos, schwach und verletzlich und drängen damit das Personal in die Rolle brutaler Tyrannen.
Weil sie dieses Rollenspiel so überzeugend darbieten und weil wir diese komplementären Gut/Schlecht-Rollen akzeptieren,, bewirken die folgerichtig in uns aufsteigenden Scham- und Schuldgefühle, dass wir uns so sicher und gründlich zurückziehen wie ein kämpfender Wolf, dem der Rivale die Kehle darbietet. Mit dieser Taktik nutzen Patienten ihre "Schwäche" tyrannisch aus, indem sie die anderen zwingen, Wiedergutmachung zu leisten für erlittene Misshandlung.

Wenn Patienten mit diesen Tricks konfrontiert oder dafür verantwortlich  gemacht werden, so beschwören sie fast immer die folgenden rituellen Formeln:

a) Ich war's nicht - du hast es getan;

b) Wenn ich es getan habe, dann hast du mich dazu gebracht;

c) Selbst wenn ich es getan habe, so trifft mich keine Schuld - ich bin ja seelisch und geistig gestört.

Neben dem offensichtlichen Zweck, kontinuierliche Hospitalisation zu sichern, gibt es anscheinend noch drei weitere Gründe, warum Patienten diese "Klingelknöpfe" betätigen. Erstens erreichen sie Macht und Beachtung. Wenn sie auf irgendeinen dieser Knöüfe drücken, mobilisieren sie Behörden, Öffentlichkeit, Familien, Ärzte und Klinikpersonal, sich mit ihrem Verhalten auseinander zusetzen ("Ich bringe dich dazu, dass du mir deine Aufmerksamkeit schenkst"). Zweitens bekommen sie dadurch ein Gefühl der Kontrolle, das ihre Gefühle der Hilflosigkeit und Ohnmacht mindert. Drittens drücken sie diese Knöpfe einfach deshalb immer wieder, weil es so wirkungsvoll ist. Die Leute reagieren unweigerlich auf dieses Patientenverhalten ("wie auf Knopfdruck") und verstärken es damit unabsichtlich immer weiter.

Weiter geht es unter " Recht der Könige"

 

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