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Stand: 01.01.2009


Provokative Therapie
Die Waffen des Wahn - Sinns

Rituale der Reue

Selbst wenn Patienten sich zuweilen entschuldigen oder ihr Verhalten scheinbar bereuen, so geschieht dies oftmals mit ritualisierten Bekenntnissen, die nicht eigentlich auf eine Besserung  abzielen.
Gewöhnlich läuft es darauf hinaus, dass sie etwas anstellen, dann "zerknirscht" ihre Verfehlung bekennen, um Verzeihung bitten und kurz darauf den gleichen Vorgang, manchmal in leicht abgewandelter Form wiederholen, sodass ihre "Reue" wenig glaubhaft erscheint. Man kann ihr Verhalten in der Formel zusammenfassen: "Peng - tut mir leid'...Peng - tut mir leid'...Peng...". Wenn das Personal diese sich ständig wiederholende Reue wenig überzeugend findet und dies dem Patienten zu erkennen gibt, reagiert der typischerweise beleidigt und ist wütend auf das Team, weil dieses nicht leichtgläubih und naiv genug ist, um das magische Wort "Tut mir leid" zu akzeptieren.

Die dauernde Wiederholung dieser Beschwörungsformel scheint einem dreifachen Zweck zu dienen:

1. Befreiung von jedweder Schuld oder Scham, die sie womöglich selber empfinden könnten;

2. Besänftigung des verärgerten Teams durch Demonstration von Bußfertigkeit;

3. Rückgewinnung aller Privilegien.

 

Das "Chronische Teamophrenie-Syndrom"
( Chronic Staffrenia)

Ein Teil der Schwierigkeit, ein wirksames Behandlungs- und Rehabilitationsprogramm zu etablieren, ergibt sich aus der Einstellung des Klinikpersonals zu seiner Arbeit mit diesen Patienten.
Gefangen zwischen dem, was es als "gutes" professionelles Handeln gelehrt wurde, und seinen persönlichen (oft mit "schlecht" gleichgesetzten ) Reaktioenn, wie sie Taktik und Verhalten der Patienten provozieren, wird das Personal mit seinen Therapie-Bemühungen schließlich schachmatt gesetzt. Der Konflikt liegt zwischen der Art und Weise, wie das Team Patienten behandeln sollte und wie es spontan am liebsten reagieren möchte.

Die Entstehung dieser Blockade ist im Grunde leicht zu verstehen. Wenn das Team die Voraussetzung akzeptiert, dass psychisch kranke Patienten für ihre Handlungen nicht verantwortlich zu machen sind, so folgt daraus, daß im wesentlichen jeder humanitäre Behandlungsansatz von Liebe, Freundlichkeit, Akzeptanz und Verständnis durchdrungen sein sollte.
Vor allem ist es für einen Profi ungehörig, streng zu kritisieren, ärgerlich zu reagieren oder Patienten für ihr Verhalten zu bestrafen, da ja solches Verhalten durch Faktoren verursacht wird, über die Patienten keine Macht haben. Andererseits ruft die tägliche Erfahrung mit diesen Patienten in Mitgliedern des Teams Reaktionen hervor, die diametral dem entgegenstehen, was sie eigentlich fühlen sollen.

Wenn die Haltung des Teams unter allen Umständen geduldig, hilfreich liebevoll und akzeptierend sein muß, welche Wahl bleibt Mitarbeitern, wenn sie sich selber gelegentlich als ungeduldig, ärgerlich und aufgebracht erleben? Es ist nicht nur schwierig für sie, dauernd ganz anders zu handeln, als sie fühlen, vielmehr schwächt gerade diese heuchlerische Fassade den therapeutischen Effekt  ihrer Bemühungen. Trotz der lauten und deutlichen Botschaften von Nebennieren und Eingeweiden wird dem Pflegepersonal nur ein spärliches Reaktions-Repertoire zugestanden, um den Waffen zu begegnen, die den Patienten zur Verfügung stehen. Die Mitarbeiter neigen dazu, die Konflikte, die sich aus der Blockade ergeben, so zu lösen, dass sie sich ein überschaubares Sortiment an Haltungen und Verhaltensweisen zulegen, das oftmals dem der Patienten passgenau entspricht. Wir haben diese charakteristische Reaktion des Teams als Syndrom der "chronische Teamophrenie" (Staffrenia) bezeichnet. Dieses Syndrom setzt sich zusammen aus Apathie, Überdruß, minimalem persönlichem Einsatz, vermindertem Enthusiasmus, Mangel an emotionalem Engagement und deutlich herabgesetzten Erwartungen an eine mögliche Rehabilitation des Patienten.

Die Haltung des Teams charakterisieren Äußerungen wie "Ach, laß gut sein" oder "Zum Teufel damit, es lohnt sich ja doch nicht". Die Mitglieder des Teams ziehen sich zunehmend zurück und beschränken sich nur noch auf oberflächliche therapeutische Aktivitäten, die - wie immer man sie auch nennen mag - bestenfalls guten Versorgungscharakter haben, und sie begnügen sich schließlich nur allzu gern mit bloßer Kooperation statt Rehabilitation der Patienten. Jedes Programm, dass auf Rehabilitation (statt lediglich guter Verwahrung) chronisch Schizophrener abzielt, muß dieses Syndrom berücksichtigen und Vorkehrungen treffen, es zu verhindern oder seiner Ausbreitung gegenzusteuern.

 

Weiter unter "Konsequenzen"

 

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